#FYLOA: So entsteht der Preis für (d)ein Kunstwerk

#FYLOA: So entsteht der Preis für (d)ein Kunstwerk

Auf der Designers Open traf ich einen guten Bekannten, der sich schon länger ein bestimmtes Kunstwerk interessierte. Er hatte es zuvor auf meinem Instagram-Feed gesehen und nun auf der Messe sah er es zum ersten Mal live – und mit Preis. „Ich hatte gedacht, es ist größer!“ meinte er, und erklärte, er habe noch eine freie Stelle in seiner Wohnung für die er etwas Passendes suchte. „Kein Problem“, meinte ich. „Ich kann es durchaus noch größer drucken lassen, die Auflösung dürfte ausreichen“. Als ich dann aber auch erklärte, dass der Preis dann entsprechend auch höher ist, ich ihm aber eine Art Freundschaftsrabatt geben würde, schaute er mich zuerst mit großen Augen an und meinte nur: „Nein, kein Rabatt, wenn wir das machen, will ich das auch unterstützen“. Das ist eine ehrenwerte Reaktion! Denn das ist das Schwierigste für mich: den Preis festzulegen (und sich auch daran zu halten!). 😀

Dabei war die Rechnung im erwähnten Fall ganz einfach: das Bild hat ein spezielles Finish und er wollte es so groß wie möglich. Für diese Dimensionen muss die Platte dicker sein. Und die Druckkosten steigen je nach gewünschter Größe und Qualität enorm. Und das ist nur der Druck, also fast das Ende der Kette. An dem Punkt hab ich noch rein gar nichts davon gehabt. Eigentlich müsste man den Prozess andersherum aufrollen, denn bis so ein Bild überhaupt von jemandem gefunden und für interessant befunden wird, hat es einen langen Weg hinter sich:

1. Idee, Kreation, Erfahrung – Schaffensprozesse bedeuten Lernen und Zeit ist wertvoll

Logisch, erstmal muss das Bild ja entstehen. Die kreative Arbeit ist am schwersten fassbar. Ich habe manchmal eine Idee und MUSS sie sofort umsetzen, manchmal reicht das noch nicht, also schwelt sie in einem weiter, sie entwickelt sich Stück für Stück. Wenn alle notwendigen Komponenten zusammengetragen sind, geht es los. Manchmal muss ich ein Shooting ansetzen, zur Gestaltung Props oder Technik besorgen, oder einen neuen Skill lernen. Manche Ideen setze ich erst nach einem Jahr um. Fotografen müssen die technischen Details ihres Geräts auch erst lernen, und ich kann nicht mehr zählen, wieviele Wochenenden ich dagesessen und mir über Jahre Photomanipulation beigebracht habe, während sich andere am See gesonnt haben. Zeit, Talent und Übung bilden hier die Wertebasis.

2. Umsetzung – Werkzeuge sind nicht kostenlos. 

Dafür braucht es Tools, die alle Geld kosten: Ob Leinwand, Pinsel, Farben, Sprühfarbe, Schutzmaske, oder Fotokamera mit verschiedenen Objektiven, Blitz, Licht usw. – Ich will gar nicht damit anfangen, wieviel Geld man in Fotoausrüstung investieren kann. Ich halte mich da schon sehr zurück, meine Ausstattung ist wirklich sehr basic, aber ein paar Sachen sind unabdingbar. Zwei Kameras sind z.B. kein Luxus sondern ein Muss bei Auftragsarbeiten, etwa Hochzeiten. Es ist schon vorgekommen, dass eine verunfallt, dann ist man über das BackUp sehr froh, denn so eine Hochzeit lässt sich schlecht wiederholen… 😉

Für mich sehr wichtig: Software wie Adobe Photoshop, Lightroom, Premiere, After Effects – die Cloud kostet jeden Monat 60 Euro, ist aber absolut notwendig für mich. Brauche ich etwas nur für ein einzelnes Projekt, greife ich auch auf kostenlose Programme oder Testversionen zurück (Blender, Unity 3D etc.). Gerade bei Foto-Jobs kommt noch einmal der Zeitfaktor zum Tragen: die meisten Leute vergessen, dass der Fotograf (anders als das Model und der MakeUp-Artist) nach den vier Stunden Shooting noch lange nicht fertig ist. Für mich etwa ist das sogar der kleinste, wenn auch aufregendste, Teil des Projekts. Aber ich gehe dann heim und weiß, ich habe ein paar hundert Bilder durchzusehen und zu entwickeln. Ja, entwickeln, ähnlich wie früher analog in der Dunkelkammer, jetzt digital in Lightroom und Photoshop. Egal wie gut das Bild schon ist, es fällt nicht fertig aus der Kamera. Es ist in einem rohen Zustand (RAW, NEF Dateien) und wird dann liebevoll perfektioniert und für Web und Druck optimiert. Dass man dafür auch die nötige Hardware, also einen leistungsstarken Computer und jede Menge Speicherplatz braucht, ist auch klar.

3. Der Druck – Qualität und Größe summieren sich.

Aus Daten wird ein Produkt. Immer ein spannender Schritt! Es ist immer ein besonderes Gefühl, seine Bilder sozusagen zum Anfassen zu haben. Wie schon geschrieben, je nach Qualität, Haltbarkeit, ob gerahmt oder ungerahmt, differieren hier die Preise. Viele denken, sie können sparen, wenn sie ein Bild nur auf Papier gedruckt und ohne Rahmen kaufen. Das stimmt so leider nicht ganz, außer das Bild hat eine Standardgröße und passt wirklich zufällig in handelsübliche Rahmen (den sie dann immernoch irgendwo selbst suchen und kaufen müssen). Ansonsten wird das Bild mit manuell geschnittenem Passepartout gerahmt (am besten mit Museumsglas um das Bild vor Verblassen durch Sonnenlicht zu schützen). Am Ende kommt es dadurch wieder auf einen höheren Preis.

4. Marketing – Nur Bilder, die gesehen werden, finden einen Sammler.

Wie kommt das Bild zum Kunden? Traditionell übernimmt eine Galerie diesen Part. So hat der Künstler Zeit, seine Kunst zu machen, während die Galerie Sammlerkontakte pflegt, ausstellt und das Werk an den geneigten Kunden bringt. Dafür bekommt sie dann 40-50 Prozent des Kaufpreises. Auch etwas, das man einkalkulieren sollte. Dieses alte Modell passt aber nicht mehr so ganz auf das Zeitalter der digitalen Selbstvermarktung. Die glücklichen Künstler, für die das Galeriemodell noch funktioniert, sind die wenigsten (je nachdem wie eng oder weit man den Begriff „Kunst“ fassen möchte). Heute muss der Künstler auch gleichzeitig Unternehmer sein. Fotografen müssen generell ständig Kunden gewinnen. Also kümmert man sich um eine akzeptable Website, idealerweise gleich mit Shop, pflegt regelmäßig seine Social Media Kanäle, trägt sich auf Plattformen (Saatchi, Society6, Lifeframer usw), nimmt an Wettbewerben teil, nimmt an Kunstmessen teil usw. Hier muss investiert werden, seien es Gebühren, Druckkosten und natürlich Zeit. Eben wie ein selbstständiger Unternehmer es tut.

Die Zauberformel zu Berechnung von Leistungen und Kunstwerken

Das steckt also alles in einem Bild. Einige haben das noch genauer aufgeschlüsselt und empfehlen Fotografen ihren zeitlichen Gesamtaufwand mit 65 Euro zu multiplizieren, dazu kommen die Kosten für die Location, Visagistin und was sonst noch anfällt. Möchte der Auftraggeber die Nutzungsrechte der Bilder für kommerzielle Aktivitäten, ist der Gesamtwert des Auftrags mit 0,5 bis 6 zu multiplizieren. (Wert der AGD (Allianz deutscher Designer – Mehr dazu hier: http://www.berufsfotografen.com).

Auch für Künstler findet sich eine Formel im Netz: Breite + Höhe x Künstlerfaktor = Verkaufspreis. Diese Formel orientiert sich nicht nur am Format des Kunstwerks. Sie bezieht auch die Bekanntheit und den Erfolg des Künstlers mit ein. Künstler, die noch keines Ihrer Werke verkauft haben, sollten mit einem Faktor zwischen 3 und 5 starten, empfiehlt die Seite Little Van Gogh. Auf dieser Seite kann man das bequem über einen Online-Rechner kalkulieren: https://www.blitzrechner.de/kunstwerk/

Bei fotografischen Werken bzw. Drucken, die beliebig vervielfältigt werden können, werden gern künstliche Limits auferlegt. Das Werk wird also nur in einer geringen Auflage gedruckt, sozusagen künstlich verknappt. Der Käufer möchte etwas Exklusives erhalten und keine Massenware. Deswegen sind in der Kunstwelt Rabatte oder Sonderaktionen auch unüblich.

Allerdings werden Regeln wie diese heutzutage gebrochen, gerade bei Online-Plattformen. Die Netzwelt funktioniert eben ein bißchen anders.
Wie schon geschrieben, denke ich, dass sich die Kunstwelt durch ihre allgegenwärtige Demokratisierung stark verändert und sich alte Strukturen ändern. Dennoch ist es ganz nützlich, sich vor Augen zu halten, was in diesem einen Bild alles steckt:

Dass ein Bild weit mehr ist, als das Papier, auf dem es gedruckt wurde oder die Leinwand, auf der es gemalt ist.

Dieser Post ist Teil der Serie “Follow your Love of Art #FYOLA”.


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